Archiv der Kategorie 'Medien-Kritik'

Bock zum Gärtner des Tages: Comeback des „Arbeitsmarkt-Experten“ Peter Hartz

Daniela Lobmueh

Der Ex-VW-Manager und Ex-Bundesminister Peter Hartz durfte im öffentlich-rechtlichen Morgenmagazin von ARD & ZDF „Moma“ seine Ansichten zu einem Missstand zum Besten geben, den er selbst zumindest mit zu verantworten hat.
Peter Hartz ist ein Mann, nach dem das Elend einer ganzen Generation nicht ohne Grund benannt ist. Er exekutierte für Schröders Rotgrüne Bundesregierung die sogenannten Arbeitsmarkt-„Reformen“, die größtenteils auf dem Mist der Bertelsmann-Stiftung gewachsen waren. Bertelsmann-Medien bliesen kurz vor den Wahlen 2002 die üblichen Statistik-Mauscheleien des Arbeitsamtes zu einem Riesenskandal auf und halfen so die Bertelsmann-Strategie für ein Billiglohn-Deutschland durchzudrücken. Diese entzogen dem unteren Drittel der deutschen Gesellschaft die soziale Sicherheit, stürzen bis heute Millionen Familien ins Elend und werden von vielen als verfassungswidriges Vorenthalten von Grundrechten gesehen.
„Morgenmagazin“ stellt sich dumm
Davon wusste das „Morgenmagazin“ aber nichts. Als Kritik simulierendes Feigenblatt diente ARD & ZDF ein knapper Hinweis im Vorspann: Hartzens Arbeitsmarkt-Reformen hätten zu Billiglohn-Ausweitung und Protesten geführt. Ein schwarzer Pappsarg mit Aufschrift „Hartz IV-Opfer“ durfte für drei Sekunden von Demonstranten durchs Bild getragen werden. Das war’s an Sozialkritik. Der leutselige Moderator fand kein Wörtchen für die beklagten Opfer, „Arbeitsmarkt-Experte“ Hartz durfte öffentlich-rechtlich gebauchpinselt seine Ansichten zum Elend der Jugendarbeitslosigkeit und seine neuesten Ideen zur Abhilfe zum Besten geben.
Wie jedermann außerhalb der Mainstream-Medien weiß, liegt die Ursache der Sozialstaatskrise in einer korrupten Politik, die unsere Staatskassen von der Finanzindustrie ausplündern ließ. Von einer Finanzindustrie, die deshalb heute mehr denn je im Geld schwimmt. Angeblich geschah dies, weil es zur Finanzkrise keine andere Lösung gab: Die Bankenrettung auf Staatskosten war „alternativlos“. Warum wir heute nicht unser Geld bei den auf unsere Kosten sanierten Bankstern abschöpfen, genauer gesagt, zurückholen dürfen? Die Frage stellt kein Journalist und erspart so der Politik das peinliche Wiederholen der alten Globalisierungslügen, dann gingen die Reichen ins Ausland usw., usf.
Das Elend der Jugend Europas
Aber irgendwie lässt sich das Scheitern der Krisenpolitik doch nicht ganz verleugnen: Denn besonders die Zukunft der Jugend blieb dabei auf der Strecke: Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland 60%, Spanien 50%, Italien 40% usw. Also holen ARD&ZDF wie den Springteufel aus der Kiste Peter Hartz vor die Kamera –und was verkündet er da? Er und andere „Arbeitsmarkt-Experten“ hätten jetzt die Lösung für die von den Bankstern verursachte Misere der Jugend: Ein „Finanz-Instrument“.
Moment mal, waren es nicht gerade solche als „Finanz-Instrumente“ belobhudelten Betrugspapiere, mit denen die Bankster alles und jeden abgezockt hatten? Mit „Finanz-Instrumenten“ hatten die Bankster Anleger geprellt, Lebensversicherungen und Rentenkassen geplündert, Stadtkämmerer in ihr Finanzkasino gelockt und Steuergelder ergaunert, noch der letzten Rentnerin ihren Notgroschen aus der Tasche gezogen?
„Arbeitsmarkt-Experten“ wie Peter Hartz sehen keinerlei Schuld bei sich selbst, kein Hauch von Selbstkritik –und Kritik an ihren Freunden (oder sollte man besser sagen: Komplizen) in der Finanzindustrie gibt es schon gar nicht. Sogenannte „Ausbildungswertbriefe“ sollen nun laut Peter Hartz helfen, die ach so teuren Ausbildungen zu stemmen. Statt Steuern bei denen einzusammeln, die sich an der Krisen-Gaunerei goldene Nasen verdient haben, um sie an die Opfer von deren Finanzkriminalität als Wiedergutmachung weiterzugeben, soll ein neues Finanz-Eldorado geschaffen werden. Also sollen wir, so das Fazit von Hartz, ARD & ZDF, das Schicksal der Jugend genau in die Hände derer legen, denen sie ihr Elend verdankt.
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Peter Hartz, Arbeitsmarkt-Experte, VW-Manager, ARD, ZDF, Moma, Morgenmagazin, Jugendarbeitslosigkeit, Ausbildungswertbriefe, Finanzkrise, Finanzindustrie, Bankster, Finanzkriminalität, Korruption, Bertelsmann, Bertelsmann-Stiftung

Jacob Appelbaum vs. Bertelsmann: Nannen zu Anonymous

Daniela Lobmueh

Wikileaks-Unterstützer Jacob Appelbaum hat von Bertelsmann den Henri Nannen Preis bekommen, will ihn aber nicht wirklich. Die überreichte Nannen-Skulptur will er zu „Anonymous“ umschmelzen –wegen der Nazi-Vergangenheit Nannens. Dies sagte Appelbaum gestern in einer vom TV-Magazin Zapp dokumentierten Rede beim Festival „Theater der Welt“. Direkt bei der Preisvergabe hatte er sich inmitten der pompösen Nannen-Glorifizierung nicht überwinden können, seinen Protest zu äußern. Anlass der Bepreisung war nicht Appelbaums mutiges Eintreten für Julian Assange, das ihm Verhöre und Schikanierung durch US-Behörden einbrachte. Es war die läppische, aber in deutschen Medien hochgespielte Enthüllung des Ausspionierens von Merkel durch die NSA. Nannen ist für Appelbaum mit seiner jüdisch-amerikanischen Herkunft kein Vorbild, wie er sagte, das Preisgeld wolle er zwei antifaschistischen Gruppen spenden. Dann rief er noch dazu auf, Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren.
Nannen, Nazis, Bertelsmann
Der Nannen-Preis wird vom zur Bertelsmann AG gehörenden Verlag Gruner+Jahr vergeben sowie von Bertelsmanns Illustrierter „Stern“ (Gründer: H.Nannen). Appelbaum, der Vertraute von NSA-Enthüller Edward Snowden und Wikileaks-Gründer Julian Assange, hatte den Preis gemeinsam mit „Spiegel“-Redakteuren in der Kategorie Investigation erhalten. Anlass war die vergleichsweise läppische Enthüllung, dass die NSA nicht nur uns alle, sondern auch das Handy von Angela Merkel abgehört hatte. Da der „Spiegel“ ebenfalls zu Bertelsmann gehört, war die Preisvergabe auch ein pompöses Spektakel des Eigenlobes -das gründlich daneben ging durch die Eigenwilligkeit des offenbar als Statisten eingeplanten Applebaum. Dabei ahnte Appelbaum scheinbar nichts von der viel übleren Nazi-Vergangenheit des ganzen Bertelsmann-Konzerns als Helfer der Nazi-Wehrmacht, der via Bepreisung sich Appelbaums investigativen Rufs bemächtigen wollte.
Bertelsmann steht als Konzern in der Kritik, der seine eigene Nazi-Vergangenheit zum Widerstands-Mythos schönte und heute mit seiner Konzernstiftung, einem neoliberalen Think Tank, und seiner Medienmacht für viele üble Dinge (u.a. Hartz IV) trommelt.
Der Wahl-Berliner Appelbaum lehnte aber den Preis allein wegen Nannens Nazi-Vergangenheit in einer Propaganda-Kompanie der Wehrmacht ab, aber auch wegen des Hitler-Tagebuch-Skandals von Nannens Zeitschrift „Stern“. Dabei sei Henri Nannen an dem Versuch beteiligt gewesen, „der Öffentlichkeit die Hitler-Tagebücher als echt zu präsentieren“ und sei somit „für den Versuch, einen der größten faschistischen Massenmörder der Geschichte als unschuldig darzustellen, mitverantwortlich.“ Er sei stolz darauf, sagte Jacob Appelbaum, dass seine Arbeit von vielen großen deutschen Journalisten gewürdigt wird. Gleichzeitig jedoch schäme ich mich dafür, eine Auszeichnung anzunehmen, die den Namen Henri Nannens trägt. Mit der Hilfe eines Metallarbeiters in Berlin will Appelbaum den Nannen-Kopf nun einschmelzen und zu einem anderen Antlitz formen: Vermutlich die des Anonymous-Helden Guy Fawkes. Der Kopf werde dann, so Appelbaum, „die wichtigste Figur des investigativen Journalismus darstellen: die anonyme Quelle“.

Er habe seine Bedenken, so Appelbaum, eigentlich schon am Abend der Preisverleihung vor einer Woche in Hamburg äußern wollen, aber angesichts des Rahmens voller Glanz und Gloria (in eigener Bertelsmann-Sache, wie Appelbaum aber wohl nicht klar war) sei er davor zurück geschreckt. Die Preisverleihung habe in der pompösen Kulisse eines Zirkus stattgefunden, so Appelbaum. Selbst er, der mutige Netzaktivist, erlag momentan der psychologisch und propagandistisch ausgefeilten Bertelsmann-Show:
„Henri Nannens Name erstrahlte in großen Lettern im Saal. Als ich zusammen mit meinen Koautoren im Smoking die Bühne betrat, überkam mich das Gefühl, dass das Verlesen meines vorbereiteten Statements eine Beleidigung wäre, und dass ich besser schweigen sollte. Ich spürte den sozialen Druck des Konformismus. Ich hatte gedacht, dass ich nicht im Schweigen gefangen sein würde, doch ich hatte mich getäuscht. In diesem Zirkus spielte auch ich meine Rolle. Ich griff nicht nach dem Mikrofon. Ich schäme mich dafür, aber ich brachte auf der Bühne kein Wort hervor. Ich spürte, dass ich eine begehrte Auszeichnung erhalten hatte, und gleichzeitig ein Stück von mir dabei verlor.“

Bertelsmann zur Nazi-Zeit: Papier von der Wehrmacht (Bezugsschein)
Jacob Appelbaum und Wikileaks
Appelbaum, ein US-Programmierer, der für den Internet-Anonymisierungsdienst „Tor“ arbeitete, war einer der frühen Unterstützer von WikiLeaks. Bereits Anfang 2010 war er der Gruppe bei der Vorbereitung der Isländischen Initiative zu modernen Medien behilflich. Bekannt wurde das Wikileaks-Mitglied dadurch, dass er auf der Hacker-Konferenz Hope den Gründer der Organisation Julian Assange vertrat. Kurz nach seinem Auftritt ließ Appelbaum sich blitzschnell durch ein Double ersetzen und verschwand durch einen Hinterausgang, fuhr zum nächstgelegenen Flughafen und flüchtete nach Deutschland, so gulli.
Am 29. Juli 2010 wurde Appelbaum bei der Wiedereinreise in die USA von einem Mitarbeiter der U.S. Immigration and Customs Enforcement, einer dem Ministerium für Innere Sicherheit unterstellten Behörde, und einem Mitglied der US Army festgesetzt und verhört. Sein Laptop wurde zunächst beschlagnahmt. Da dieser aber anscheinend keine unverschlüsselte, durchsuchbare Festplatte enthielt, bekam er diesen kurze Zeit später wieder zurück. Als Grund für die Festsetzung wurde die Teilnahme an der Hackerkonferenz „H.O.P.E.“ genannt. Die Vernehmung dauerte drei Stunden, bei der sich die US-Behördenvertreter unter anderem über den aktuellen Aufenthaltsort von Assange erkundigten. Seinen Anwalt durfte Appelbaum in dieser Zeit nicht anrufen. Bei seinem Vortrag auf der DEF CON am 31. Juli 2010 erwähnte er, dass seine Mobiltelefone beschlagnahmt wurden. Nach dem Vortrag wurde er von FBI-Agenten vernommen.
Appelbaum gehört zu den Personen, die von einem Auskunftsersuchen der US-Regierung an Twitter betroffen waren. Seit Dezember 2010 bemüht sich das amerikanische Justizministerium, von Twitter persönliche Daten über Unterstützer von WikiLeaks zu erhalten. Dabei blieb es bis Oktober 2011 erfolglos, im November entschied ein Bundesbezirksgericht in Virginia jedoch, dass Twitter die Daten herausgeben müsse. Der Internetprovider Sonic.net Inc. gab auf Druck der US-Regierung Informationen über Appelbaum preis, so Wikipedia. Nach Drangsalierung und verschärfter Bespitzelung durch den Staatsapparat der USA, der mittels des Ermächtigungsgesetzes AUMF („Authorization for Use of Military Force“ 2001) in ein maskiertes, aber permanentes Kriegsrecht versetzt wurde, suchte Appelbaum informelles Asyl in Deutschland und lebt als prominenter Publizist und Netzaktivist in Berlin.

Wo hat Bazon Brock die ganzen Jahre gesteckt?

Daniela Lobmueh
Meiner spontanen Fernseh-Kritik von „Kulturzeit“ stimmten zahlreiche Leser zu. Bazon Brock erntete großen Beifall. Mendelsohn wurde von vielen Zuschauern als inkompetent bewertet. Sie habe unkritisch die an Kriegspropaganda grenzenden Phrasen nachgeplappert. Dies zeigt ein kritisches Publikum, das sich nicht länger veralbern lassen möchte und kritische Künstler wie Bazon Brock denkfaulen Journalisten vorzieht.
Meiner spontanen Fernseh-Kritik Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus noch während das 3sat-Magazin „Kulturzeit“ lief, stimmten zahlreiche Leser und Leserinnen zu. Bazon Brock erntete großen Beifall und kritische Zustimmung. Tina Mendelsohn wurde von vielen Zuschauern offensichtlich als wenig kompetent bewertet. Vor allem wurde sie als sehr unkritisch die an Kriegspropaganda grenzenden Phrasen der Medien nachplappernd gesehen. Dies zeigt, dass die 3sat-Sendung über ein kritisches Publikum verfügt, das sich nicht länger veralbern lassen möchte. Vielleicht auch ein Signal an die öffentlich-rechtlichen Sender, ihre Journalisten sorgfältiger auszuwählen und weniger auf eine gleichgeschaltete Linie festzulegen.

Ich habe mich über die Verstörtheit Frau Mendelsohns gefreut
Anna Stiefvater schrieb:
Sehr gute Zusammenfassung des Kulturzeit-Interviews mit Bazon Brock. Die suggestive Fragetechnik Frau Mendelsohns forderte ja geradezu heraus, die ganze lächerliche Diskussion über die Gefahr „Russland“ im deutschen Fernsehn als Farce zu entlarven. Ich habe mich richtig über dieses Interview auf Kulturzeit gefreut- auch über die Verstörtheit Frau Mendelsohns, die gar nicht wusste, mit welchen Fragen sie noch nach-laden sollte, um endlich eine Antwort nach ihrem Geschmack zu bekommen.“Nicht mit mir“, hat er sich wohl gedacht, Herr Brock und er hatte Recht: „Ein bisschen kurz“ hat man ihn da nur zu Wort kommen lassen. Auch wenns unangenehm für die Deutschen ist: Wann hören wir mehr von Bazon Brock in den Medien? Verfasst am Mai 2, 6:38 PM
Bazon Brock war eine Wohltat
Helge Mannteuffel schrieb:
Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus -Bravo, das war gut so! Bazon Brock war eine Wohltat.
Tina Mendelsohn und viele Kollegen, geht in die Lehre bei Gabriele Krone-Schmalz! So etwas brauchen wir nicht, verblöden kann man lustvoller!
Verfasst am Mai 1, 9:24 PM
Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt?
S. Livey schrieb:
Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt, in denen sich niemand traute, den Mund aufzumachen. Ein großer Mann!Mir ist es manchmal sogar peinlich, dass mit einem Selbstverständnis von Kolonialherren Deutschland und mit ihm Europa demokratische Werteanforderungen postuliert. Seit Gaucks Freibrief, Deutschland zu mehr „Engagement“ in der Welt aufzufordern, treibt dies Blüten. Deutschlands Politiker sind mal wieder treibende Kraft in Konflikten, die uns eigentlich nichts angehen. Die Realitätsnähe, die Brock von ihnen fordert sind schon in dem Größenwahnprojekt „politisch vereintes Europa“ verloren gegangen. Verfasst am Mai 2, 12:02 PM
Sie käut wieder, was ARD, ZDF, BILD, Zeit, FAZ, Spiegel, taz als Nachrichten verkaufen
Gerald Druminski schrieb:
Eigentlich muss man dem nichts hinzufügen, denn es trifft den Nagel auf den Kopf. Egal, was Mendelsohn studiert oder von der Welt gesehen hat: kapiert hat sie nichts. Ich frage mich, wie sie überhaupt einen Studienplatz ergattern konnte und danach auch noch in einer bislang qualitativ hochkarätigen Kultursendung unterkam. Beim Brock-Interview wurde selbst für einen unaufmerksamen Zuschauer offenkundig, wie hohl die Dame ist, wenn ihr Gegenüber vom vorbereiteten Suggestivfragen-Katalog abweicht. Sie käut das wieder, was ARD, ZDF oder Bild Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher bzw. Zeit, FAZ, Spiegel, taz etc. dem Bildungsbürgertum als Nachrichten verkaufen. In „Kulturzeit“ haben weder Mendelsohn noch Schortmann etwas zu suchen. Für mich haben sich sowohl „Kulturzeit“ als auch die neuerdings zur Show verkommene „Aspekte“-Sendung erledigt. Mal abgesehen von den sprachlichen Entgleisungen, bei denen Accessoires zu Assessoires werden, zugewunken statt -gewinkt wird, jeder der etwas Neues beginnt, „durchstartet“ und sich „neu erfindet“ usw., ist das, was mir dort ideologisch (welch garstig Wort) zugemutet wird, unerträglich geworden. Es ist bezeichnend, das Nachrichten mit erhellendem Hintergrund im ZDF nur noch in der „heute-Show“ und der „Anstalt“ vorkommen. Danke für Ihren Beitrag, denn, wenn ich mich in den Medien und in meinem unmittelbaren Umfeld umhöre, bin ich verunsichert und denke manchmal, nur ich allein ticke nicht ganz richtig.
Gerald Druminski, geralddruminski@gmail.de
Verfasst am Mai 1, 10:31 PM
ARD und zdf verkommen zur Pressestelle der NATO

altermann schrieb:
Guter Artikel. Man muss aus dem System, um es kritisieren zu können? Nach meiner Meinung verkommen ARD und zdf zur Pressestelle der NATO. Besonders unerfreulich dieser besserwisserische Nachrichtenkleber. Gestern war wieder ein Highlight zu bewundern: Ein Kommentator namens Michael Strempel, der als Höhepunkt noch mit merkwürdigen Statistiken einen auf Wichtig macht: http://www.altermannblog.de/ard-desinformation-zur-ukraine/ Verfasst am Mai 1, 7:20 AM
Soweit einige Leserstimmen zu Bazon Brock vs. Tina Mendelsohn auf 3sat-Kulturzeit. Früher war auf 3sat auch schon einmal Katrin Bauerfeind unangenehm aufgefallen, als sie in das aus deutschen Medien im Dienste deutscher Banken betriebene Griechenbashing einstimmte. Im Oktober 2012 kommentierte Nora Drenalin unter der Überschrift „Griechen-Bashing mit Lipgloss“:
Gestern abend im Minoritäten-Kultur-Sender 3sat durfte deren “Generation Internet” (Katrin Bauerfeind) über Griechenland herfallen. Fürs gehobene Publikum passend aufbereitet wurde eine optimistisch-sozialfarbige Version der Anti-Griechen-Ressentiments deutscher Medien präsentiert. Hetzen ARD, BILD und SPIEGEL gegen faule, korrupte Griechen, so zeigt 3sat pointiert “mal was ganz anderes”: Es gibt ja auch fleißige Griechen!

ARD-Tendenzbericht: „Militärausgaben steigen -außer im Westen“?

Daniela Lobmueh
Unter dieser Überschrift (ohne das Fragezeichen versteht sich) präsentierte die ARD-Tagesschau vor zwei Wochen die Jahres-Bilanz des staatlichen Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI. Thema war offenbar dem NATO-Wolf einen Schafspelz überzulegen. „Lügen nach Zahlen“ könnte man dazu ebenfalls sagen: Die echten SIPRI-Statistiken wurden zwar auch kurz eingeblendet, aber mit einem für die Westmächte verzerrend schmeichelhaftem Text unterlegt:
„Die weltweiten Militärausgaben sind 2013 das zweite Jahr in Folge leicht gesunken – und zwar um 1,9 Prozent im Vergleich zu 2012. Das geht aus dem Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hervor. Verantwortlich dafür waren den Wissenschaftlern zufolge gesunkene Ausgaben der westlichen Länder, allen voran der USA. Diese gaben 7,8 Prozent weniger für militärische Zwecke aus…“ Tagesschau 14.4.2014

Dann folgte ein an Panikmache grenzender Bericht über Aufrüstung bei Russen und Chinesen mit angsteinflößenden Bildern von Panzern und Kampfjets aufgebrezelt. Weitgehend unterschlagen und nicht im Geringsten kommentiert wurden die absoluten Zahlen der Rüstungsausgaben, die nur in einem kurz aufblitzenden Balkendiagramm zu entnehmen waren.
Wer bei SIPRI direkt nachrecherchiert, kommt jedoch um die Wahrheit nicht herum: Die USA bleiben trotz leichter Bremsung der Militärkosten um 7,8% das waffenstarrende Rüstungsmonster unter den Militärmächten: Mit 640 Milliarden Dollar gaben sie 2013 mehr als sechsmal soviel für Waffen aus wie Russland (88 Mia.$); auf NATO-Seite kommen dann noch die EU-Mächte Frankreich, Großbritannien (UK), Deutschland und Italien dazu, die zusammen über 200 Mia.$ ins Militär steckten –bescheiden wirkt dagegen Chinas Militärhaushalt: Nur 188 Mia.$; die engen US-Verbündeten im Nahen Osten, die Saudis und die Emirate kommen zusammen mit 86 Mia.$ fast auf das Niveau Russlands; ebenso die engen US-Verbündeten in Fernost, Japan und Südkorea (83 Mia.$). Da fallen dann die ebenfalls den USA verbündeten Türken (19 Mia$) und Australier (24 Mia$) kaum noch ins Gewicht, die von SIPRI auch unter den 15 global dominierenden Rüstungsgiganten gelistet sind.
SIPRI: „Total world military expenditure in 2013“
Militärausgaben 2013 in Milliarden US-Dollar, aus SIPRI-Statistik-Googlemap zusammen gestellt nach Machtblöcken von Daniela Lobmueh:
USA 640 Mia.$, EU (F, UK, G, It) 201 Mia.$, China 188 Mia.$,
Russia 88 Mia.$, Saudi Arabia & Emirates 86 Mia.$, Japan & South Korea 83 Mia.$, India 47 Mia.$,
Brazil 33 Mia.$, Australia 24 Mia.$, Turkey 19 Mia.$.

In Summe investiert also der laut ARD-Darstellung ach so friedlich abrüstende Westblock nebst engsten Verbündeten eine gute Billion (Tausend Milliarden) in seine bis an die Zähne bewaffnete Mordmaschinerie. Obamas weltweiter Drohnen-Terror trägt auch nicht dazu bei, die ARD-Propaganda glaubwürdiger zu machen. Kein Wunder, dass die von diesem Westblock mit heuchlerischem „Menschenrechte!“-Geschrei mehr oder weniger geifernd bedrohten Chinesen 188 Milliarden für ihre Verteidigung ausgeben müssen, die Russen 88 Milliarden. Ein Schelm, der jetzt fragt: Sind die ARD-Zuschauer also wirklich ausgewogen über den SIPRI-Rüstungsbericht informiert worden? Und sollten ARD-Journalisten vielleicht neben Chinesen und Russen auch mal Saudis und Südkoreaner nach ihren Menschenrechten fragen oder -warum nicht gleich vor der eigenen Türe kehren- Hartz IV-Drangsalierte Deutsche (von UNO-Gremien wurde Berlin wegen Verletzung von deren Menschenrechten gerügt)?
Zur Statistik von SIPRI
SIPRI-Erläuterung zur Gewährleistung der Vergleichbarkeit der Finanzdaten: “The map above marks the world’s top 15 countries with the highest military expenditure for 2013. Countries are ranked according to military spending calculated using market exhange rates (MER). The figures for military ependiture at PPP exchange rates are estimates based on the projected implied PPP conversion rates for each country from the IMF World Economic Outlook database, Oct.2013.”
Damit ist allen Schlaumeiern, die im Web immer auf die doch bei Russen und Chinesen geringeren Personalkosten hinweisen, wohl der Wind aus den Segeln genommen, denn die PPP-Konversionsrate definiert die (jeglicher Sympathie mit Moskau und Peking unverdächtige) Weltbank so:
“Purchasing power parity (PPP) conversion factor is the number of units of a country’s currency required to buy the same amount of goods and services in the domestic market as a U.S. dollar would buy in the United States.” Worldbank: PPP conversion factor (GDP) to market exchange rate ratio

Im Fazit bleibt ein ARD-Bericht, der mit einseitig verzerrter Darstellung zugunsten der NATO-Staaten auf derselben Linie liegt, wie die derzeitige Ukraine-Hetzberichterstattung. Die Kriegstreiberei ist zwar nicht so platt wie in der BILD-Zeitung und im SPIEGEL von Bertelsmann (auch „BILD“ am Montag genannt), aber die Tendenz ist die gleiche –und es kommt ein Bruch der Rundfunk-Staatsverträge hinzu: Anders als Privatmedien müssten öffentlich-rechtliche Sender ausgewogen berichten -von ARD bis DLF. Stattdessen fraternisieren sie mit Bertelsmann und drehen und biegen die Wahrheit nur knapp am Rande der Lüge. Merken die Journalisten selber nicht, was sie da tun?
Daniela Lobmueh, geb.1989, studiert auf Lehramt Politik/Informatik in Hamburg und hasst Facebook, Twitter, Google+ & Co.

Ergänzung zum Artikel von Leser „Eber“:
Interessanter noch als die absoluten Zahlen sind die Militärausgaben pro Kopf der Bevölkerung:

USA: 1.839 U$ pro Jahr
Saudi-Arabien: 1.536 U$ pro Jahr
GB: 922 U$ pro Jahr
F: 815 U$ pro Jahr
Südkorea: 640 U$ pro Jahr
D: 556 U$ pro Jahr
Russland: 479 U$ pro Jahr
Japan: 449 U$ pro Jahr
China: 103 U$ pro Jahr
Indien: 38 U$ pro Jahr

Wenn nun China, wie berichtet, die Ausgaben um 11 % steigert, dann ist *man* dort erst bei 114 U$/Kopf und Jahr. Vergleichsweise doch sehr (!) wenig!
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und von „Romanuss“:
Kompliment, Daniela Lobmueh, für den realistischen Bericht. Man muss sich nur unvoreingenommen ALLE bekannten Fakten der Planung, Organisation, Finanzierung sowie der mittlerweile in der Ukraine dislozierten CIA-Gefechtsführung des faschistischen Putsches in der Ukraine vor Augen führen. Und dann der Vergleich, welche aggressiven Manöver an der Ostgrenze Europas durch NATO (= Washington) und Vasallenstaaten durchgeführt werden. Danach die Analyse der immer wieder deeskalierenden, auf Verteidigung gerichteten Politik Russlands. Und zu guter letzt ein objektiver Vergleich der internationalen Berichterstattung. An allen bürgerkriegsähnlichen Erscheinungen ist natürlich Russland schuld. Und das Terroristen-Imperium USA mit Kolonialstaaten in Westeuropa droht und sanktioniert in Einem gegen Russland fort. Egal, ob Panzer der ukrainischen Putsch-Regierung gegen das eigene Volk eingesetzt werden; egal, ob sich Teile der pro-russischen Bevölkerung in der Ukraine demonstrativ zu Wehr setzen – an allem soll Russland Schuld sein. Und die US-HÖRIGE deutsche Regierung, die sich freiwillig NSA-bespitzeln lässt, tönt widerlich dumm und dämlich ins gleiche kriegslüsterne antirussische Rohr.
A pro pos Militärausgaben: wer ist denn mit knapp einer Billion US $ „Verteidigungshaushalt“ pro Jahr weltweit auf ca. 1000 Stützpunkten stationiert? Hier schweigt man bei ARD, ZDF & Co. Und wenn: dann ist das alles friedensnotwendig.
Dabei muss man nicht anti-amerikanisch und / oder pro-russisch sein, um diese gefährliche Polarisation zu erkennen. Aber dazu hat sich im Internet Gott sei Dank eine wachsende Gemeinde verantwortungsbewusster, kompetenter, friedliebender User / Leser gefunden, die sich diese aggressive kriegslüsterne Berichterstattung der Einheitsmedien nicht mehr gefallen lassen will. Aber wir stehen noch am Anfang!

Verfasst am Mai 1, 12:12
und von „Lars“:
Hallo Daniela…SUPER-Artikel!
Du hast vollkommen Recht, denn den achso verteufelten Russen und Chinesen bleibt gar nichts anderes übrig, als sich vor der „Demokratisierung“ zu schützen. Vielfach ausgeführt von dem mit Abstand größten Aggressor aller Zeiten VSA, welcher von dubiosen Kreisen gelenkt wird (anders ist das einfach nicht mehr zu erklären!) und den bereits „demokratisierten“ und somit hörigen Vasallen.
Angriffskrieg (offen oder verdeckt) = Demokratisierung
Was ist das überhaupt für eine Demokratie, in der man sich alle vier Jahre zwischen farbenreichen Parteien entscheiden darf, deren Handlungen sich jedoch so gut wie gar nicht unterscheiden? Man könnte selbige eigentlich komplett abschaffen..
Dass du überhaupt noch die Massen-Gehirnwäsche-Propaganda-Medien ertragen kannst.. Und man darf dafür sogar noch bezahlen, selbst wenn man keine Propaganda möchte. Das neue Tagesschau(?)-Studio hingegen soll ja wohl die Wucht sein, vielleicht in der Hoffnung, die verbliebenen Zuschauer noch stärker hypnotisierend bei der Stange zu halten.. ;)
„Wir ertrinken in Informationen, aber hungern nach Wissen…“ (John Naisbitt)
LG Lars

Verfasst am Mai 1, 9:01 AM

Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus

Daniela Lobmueh
3sat 30.4.2014. Bazon Brock ließ 3sat-Rechtsaußen Tina Mendelsohn die Luft raus. Zum Thema Putin-Schröder-Männerfreundschaft wollte die Redakteurin mit heißen Luftblasen die üblichen Propaganda-Klischees ablassen. Doch der anarchische Kunstprofessor Bazon Brock ließ eine nach der anderen platzen.
Dem Schröder, dem gings doch nur um Geld, der Putin habe ihn reich gemacht! Wo, so darauf Brock, gehe es im Westen nicht nur ums Geld? Und er zitierte Beispiele von inner-westlicher Politkorruption.
Aber sei es nicht empörend, wie sich Schröder da mit Putin getroffen habe? Nö, meinte Brock, empörend sei die Heuchelei des Westens, Putin zum Diktator zu erklären, wenn einer wie Berlusconi jahrzehntelang hofiert wurde: Warum soll Putin schlimmer sein als Berlusconi? Das wusste Mendelsohn auch nicht. Doch wie Schröder da mit Putin Champagner trinke, wo die Menschen so leiden in der Ukraine! Quatsch, meinte Brock, im Westen würde doch auf alles Champagnergläser gehoben, was solle die Heuchelei? So watschte der Nestor der kritischen Kunstszene eins ums andre Mal die smarte Redakteuse ab, die sonst so eloquent aus jungen ukrainischen Nachwuchs-Künstlern NATO-Treueschwüre herauskitzelte oder Femens und Pussy Riots Heldentaten gegen Putin feierte. Reingefallen.
„Ein inniger Schulterschluss zwischen Freunden erzürnt die Republik. Altkanzler Gerhard Schröder feiert mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Kann man, darf man, sollte man so etwas tun – während sich doch in der Ost-Ukraine westliche Geiseln in der Hand sogenannter prorussischer Separatisten befinden?“ 3sat-Kulturzeit
In diesem Tenor wollte Tina Mendelsohn auf 3sat die übliche Hetz-nach-Osten-schleim-nach-Westen-Nummer durchziehen, aber nicht mit Bazon Brock, wie sie schmerzvoll lernen musste.

Bazon Brock, der eigentlich Jürgen Johannes Hermann Brock heißt, ist nicht nur emeritierter Professor für Ästhetik, sondern auch einer der profiliertesten deutschen Kunsttheoretiker und Künstler. Also genau der richtige Kandidat für die teilweise gar nicht so üble 3sat-Kulturzeit, nur nicht für Tina Mendelsohn.

Mehrere Jahre arbeitete Mendelsohn als Reporterin für das politische TV-Magazin „Klartext“ des ORB, in dessen Auftrag sie unter anderem den Osten Chinas bereiste. Dann kam der SFB-“Kulturreport“ sowie verschiedene ARD-Magazine, darüber hinaus hat sie seit 1997 für den SWR gedreht. Tina Mendelsohn lebt in London, wo ihr Mann an der Universität lehrt. Neben ihrer Moderatoren-Aufgabe bei Kulturzeit arbeitet die Mutter von vier Kindern, so sie in ihrer Selbstdarstellung, freiberuflich für die BBC und Channel 4.

Bazon Brock schleimte sich nicht an die Medien heran, sondern übte sogar drastische Kritik am Internet. In einem Interview mit der FAZ 2010 bezeichnete er das Internet als die Hölle der Neuen Welt. Die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes, seien gewesen, was jetzt das Netz geworden sei. Skandal, Skandal. Ein Julian Assange hat sowas wenigstens nur von Facebook & Co. gesagt.