Archiv der Kategorie 'Kunst & Kultur'

Jacob Appelbaum vs. Bertelsmann: Nannen zu Anonymous

Daniela Lobmueh

Wikileaks-Unterstützer Jacob Appelbaum hat von Bertelsmann den Henri Nannen Preis bekommen, will ihn aber nicht wirklich. Die überreichte Nannen-Skulptur will er zu „Anonymous“ umschmelzen –wegen der Nazi-Vergangenheit Nannens. Dies sagte Appelbaum gestern in einer vom TV-Magazin Zapp dokumentierten Rede beim Festival „Theater der Welt“. Direkt bei der Preisvergabe hatte er sich inmitten der pompösen Nannen-Glorifizierung nicht überwinden können, seinen Protest zu äußern. Anlass der Bepreisung war nicht Appelbaums mutiges Eintreten für Julian Assange, das ihm Verhöre und Schikanierung durch US-Behörden einbrachte. Es war die läppische, aber in deutschen Medien hochgespielte Enthüllung des Ausspionierens von Merkel durch die NSA. Nannen ist für Appelbaum mit seiner jüdisch-amerikanischen Herkunft kein Vorbild, wie er sagte, das Preisgeld wolle er zwei antifaschistischen Gruppen spenden. Dann rief er noch dazu auf, Snowden in Deutschland Asyl zu gewähren.
Nannen, Nazis, Bertelsmann
Der Nannen-Preis wird vom zur Bertelsmann AG gehörenden Verlag Gruner+Jahr vergeben sowie von Bertelsmanns Illustrierter „Stern“ (Gründer: H.Nannen). Appelbaum, der Vertraute von NSA-Enthüller Edward Snowden und Wikileaks-Gründer Julian Assange, hatte den Preis gemeinsam mit „Spiegel“-Redakteuren in der Kategorie Investigation erhalten. Anlass war die vergleichsweise läppische Enthüllung, dass die NSA nicht nur uns alle, sondern auch das Handy von Angela Merkel abgehört hatte. Da der „Spiegel“ ebenfalls zu Bertelsmann gehört, war die Preisvergabe auch ein pompöses Spektakel des Eigenlobes -das gründlich daneben ging durch die Eigenwilligkeit des offenbar als Statisten eingeplanten Applebaum. Dabei ahnte Appelbaum scheinbar nichts von der viel übleren Nazi-Vergangenheit des ganzen Bertelsmann-Konzerns als Helfer der Nazi-Wehrmacht, der via Bepreisung sich Appelbaums investigativen Rufs bemächtigen wollte.
Bertelsmann steht als Konzern in der Kritik, der seine eigene Nazi-Vergangenheit zum Widerstands-Mythos schönte und heute mit seiner Konzernstiftung, einem neoliberalen Think Tank, und seiner Medienmacht für viele üble Dinge (u.a. Hartz IV) trommelt.
Der Wahl-Berliner Appelbaum lehnte aber den Preis allein wegen Nannens Nazi-Vergangenheit in einer Propaganda-Kompanie der Wehrmacht ab, aber auch wegen des Hitler-Tagebuch-Skandals von Nannens Zeitschrift „Stern“. Dabei sei Henri Nannen an dem Versuch beteiligt gewesen, „der Öffentlichkeit die Hitler-Tagebücher als echt zu präsentieren“ und sei somit „für den Versuch, einen der größten faschistischen Massenmörder der Geschichte als unschuldig darzustellen, mitverantwortlich.“ Er sei stolz darauf, sagte Jacob Appelbaum, dass seine Arbeit von vielen großen deutschen Journalisten gewürdigt wird. Gleichzeitig jedoch schäme ich mich dafür, eine Auszeichnung anzunehmen, die den Namen Henri Nannens trägt. Mit der Hilfe eines Metallarbeiters in Berlin will Appelbaum den Nannen-Kopf nun einschmelzen und zu einem anderen Antlitz formen: Vermutlich die des Anonymous-Helden Guy Fawkes. Der Kopf werde dann, so Appelbaum, „die wichtigste Figur des investigativen Journalismus darstellen: die anonyme Quelle“.

Er habe seine Bedenken, so Appelbaum, eigentlich schon am Abend der Preisverleihung vor einer Woche in Hamburg äußern wollen, aber angesichts des Rahmens voller Glanz und Gloria (in eigener Bertelsmann-Sache, wie Appelbaum aber wohl nicht klar war) sei er davor zurück geschreckt. Die Preisverleihung habe in der pompösen Kulisse eines Zirkus stattgefunden, so Appelbaum. Selbst er, der mutige Netzaktivist, erlag momentan der psychologisch und propagandistisch ausgefeilten Bertelsmann-Show:
„Henri Nannens Name erstrahlte in großen Lettern im Saal. Als ich zusammen mit meinen Koautoren im Smoking die Bühne betrat, überkam mich das Gefühl, dass das Verlesen meines vorbereiteten Statements eine Beleidigung wäre, und dass ich besser schweigen sollte. Ich spürte den sozialen Druck des Konformismus. Ich hatte gedacht, dass ich nicht im Schweigen gefangen sein würde, doch ich hatte mich getäuscht. In diesem Zirkus spielte auch ich meine Rolle. Ich griff nicht nach dem Mikrofon. Ich schäme mich dafür, aber ich brachte auf der Bühne kein Wort hervor. Ich spürte, dass ich eine begehrte Auszeichnung erhalten hatte, und gleichzeitig ein Stück von mir dabei verlor.“

Bertelsmann zur Nazi-Zeit: Papier von der Wehrmacht (Bezugsschein)
Jacob Appelbaum und Wikileaks
Appelbaum, ein US-Programmierer, der für den Internet-Anonymisierungsdienst „Tor“ arbeitete, war einer der frühen Unterstützer von WikiLeaks. Bereits Anfang 2010 war er der Gruppe bei der Vorbereitung der Isländischen Initiative zu modernen Medien behilflich. Bekannt wurde das Wikileaks-Mitglied dadurch, dass er auf der Hacker-Konferenz Hope den Gründer der Organisation Julian Assange vertrat. Kurz nach seinem Auftritt ließ Appelbaum sich blitzschnell durch ein Double ersetzen und verschwand durch einen Hinterausgang, fuhr zum nächstgelegenen Flughafen und flüchtete nach Deutschland, so gulli.
Am 29. Juli 2010 wurde Appelbaum bei der Wiedereinreise in die USA von einem Mitarbeiter der U.S. Immigration and Customs Enforcement, einer dem Ministerium für Innere Sicherheit unterstellten Behörde, und einem Mitglied der US Army festgesetzt und verhört. Sein Laptop wurde zunächst beschlagnahmt. Da dieser aber anscheinend keine unverschlüsselte, durchsuchbare Festplatte enthielt, bekam er diesen kurze Zeit später wieder zurück. Als Grund für die Festsetzung wurde die Teilnahme an der Hackerkonferenz „H.O.P.E.“ genannt. Die Vernehmung dauerte drei Stunden, bei der sich die US-Behördenvertreter unter anderem über den aktuellen Aufenthaltsort von Assange erkundigten. Seinen Anwalt durfte Appelbaum in dieser Zeit nicht anrufen. Bei seinem Vortrag auf der DEF CON am 31. Juli 2010 erwähnte er, dass seine Mobiltelefone beschlagnahmt wurden. Nach dem Vortrag wurde er von FBI-Agenten vernommen.
Appelbaum gehört zu den Personen, die von einem Auskunftsersuchen der US-Regierung an Twitter betroffen waren. Seit Dezember 2010 bemüht sich das amerikanische Justizministerium, von Twitter persönliche Daten über Unterstützer von WikiLeaks zu erhalten. Dabei blieb es bis Oktober 2011 erfolglos, im November entschied ein Bundesbezirksgericht in Virginia jedoch, dass Twitter die Daten herausgeben müsse. Der Internetprovider Sonic.net Inc. gab auf Druck der US-Regierung Informationen über Appelbaum preis, so Wikipedia. Nach Drangsalierung und verschärfter Bespitzelung durch den Staatsapparat der USA, der mittels des Ermächtigungsgesetzes AUMF („Authorization for Use of Military Force“ 2001) in ein maskiertes, aber permanentes Kriegsrecht versetzt wurde, suchte Appelbaum informelles Asyl in Deutschland und lebt als prominenter Publizist und Netzaktivist in Berlin.

Wo hat Bazon Brock die ganzen Jahre gesteckt?

Daniela Lobmueh
Meiner spontanen Fernseh-Kritik von „Kulturzeit“ stimmten zahlreiche Leser zu. Bazon Brock erntete großen Beifall. Mendelsohn wurde von vielen Zuschauern als inkompetent bewertet. Sie habe unkritisch die an Kriegspropaganda grenzenden Phrasen nachgeplappert. Dies zeigt ein kritisches Publikum, das sich nicht länger veralbern lassen möchte und kritische Künstler wie Bazon Brock denkfaulen Journalisten vorzieht.
Meiner spontanen Fernseh-Kritik Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus noch während das 3sat-Magazin „Kulturzeit“ lief, stimmten zahlreiche Leser und Leserinnen zu. Bazon Brock erntete großen Beifall und kritische Zustimmung. Tina Mendelsohn wurde von vielen Zuschauern offensichtlich als wenig kompetent bewertet. Vor allem wurde sie als sehr unkritisch die an Kriegspropaganda grenzenden Phrasen der Medien nachplappernd gesehen. Dies zeigt, dass die 3sat-Sendung über ein kritisches Publikum verfügt, das sich nicht länger veralbern lassen möchte. Vielleicht auch ein Signal an die öffentlich-rechtlichen Sender, ihre Journalisten sorgfältiger auszuwählen und weniger auf eine gleichgeschaltete Linie festzulegen.

Ich habe mich über die Verstörtheit Frau Mendelsohns gefreut
Anna Stiefvater schrieb:
Sehr gute Zusammenfassung des Kulturzeit-Interviews mit Bazon Brock. Die suggestive Fragetechnik Frau Mendelsohns forderte ja geradezu heraus, die ganze lächerliche Diskussion über die Gefahr „Russland“ im deutschen Fernsehn als Farce zu entlarven. Ich habe mich richtig über dieses Interview auf Kulturzeit gefreut- auch über die Verstörtheit Frau Mendelsohns, die gar nicht wusste, mit welchen Fragen sie noch nach-laden sollte, um endlich eine Antwort nach ihrem Geschmack zu bekommen.“Nicht mit mir“, hat er sich wohl gedacht, Herr Brock und er hatte Recht: „Ein bisschen kurz“ hat man ihn da nur zu Wort kommen lassen. Auch wenns unangenehm für die Deutschen ist: Wann hören wir mehr von Bazon Brock in den Medien? Verfasst am Mai 2, 6:38 PM
Bazon Brock war eine Wohltat
Helge Mannteuffel schrieb:
Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus -Bravo, das war gut so! Bazon Brock war eine Wohltat.
Tina Mendelsohn und viele Kollegen, geht in die Lehre bei Gabriele Krone-Schmalz! So etwas brauchen wir nicht, verblöden kann man lustvoller!
Verfasst am Mai 1, 9:24 PM
Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt?
S. Livey schrieb:
Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt, in denen sich niemand traute, den Mund aufzumachen. Ein großer Mann!Mir ist es manchmal sogar peinlich, dass mit einem Selbstverständnis von Kolonialherren Deutschland und mit ihm Europa demokratische Werteanforderungen postuliert. Seit Gaucks Freibrief, Deutschland zu mehr „Engagement“ in der Welt aufzufordern, treibt dies Blüten. Deutschlands Politiker sind mal wieder treibende Kraft in Konflikten, die uns eigentlich nichts angehen. Die Realitätsnähe, die Brock von ihnen fordert sind schon in dem Größenwahnprojekt „politisch vereintes Europa“ verloren gegangen. Verfasst am Mai 2, 12:02 PM
Sie käut wieder, was ARD, ZDF, BILD, Zeit, FAZ, Spiegel, taz als Nachrichten verkaufen
Gerald Druminski schrieb:
Eigentlich muss man dem nichts hinzufügen, denn es trifft den Nagel auf den Kopf. Egal, was Mendelsohn studiert oder von der Welt gesehen hat: kapiert hat sie nichts. Ich frage mich, wie sie überhaupt einen Studienplatz ergattern konnte und danach auch noch in einer bislang qualitativ hochkarätigen Kultursendung unterkam. Beim Brock-Interview wurde selbst für einen unaufmerksamen Zuschauer offenkundig, wie hohl die Dame ist, wenn ihr Gegenüber vom vorbereiteten Suggestivfragen-Katalog abweicht. Sie käut das wieder, was ARD, ZDF oder Bild Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher bzw. Zeit, FAZ, Spiegel, taz etc. dem Bildungsbürgertum als Nachrichten verkaufen. In „Kulturzeit“ haben weder Mendelsohn noch Schortmann etwas zu suchen. Für mich haben sich sowohl „Kulturzeit“ als auch die neuerdings zur Show verkommene „Aspekte“-Sendung erledigt. Mal abgesehen von den sprachlichen Entgleisungen, bei denen Accessoires zu Assessoires werden, zugewunken statt -gewinkt wird, jeder der etwas Neues beginnt, „durchstartet“ und sich „neu erfindet“ usw., ist das, was mir dort ideologisch (welch garstig Wort) zugemutet wird, unerträglich geworden. Es ist bezeichnend, das Nachrichten mit erhellendem Hintergrund im ZDF nur noch in der „heute-Show“ und der „Anstalt“ vorkommen. Danke für Ihren Beitrag, denn, wenn ich mich in den Medien und in meinem unmittelbaren Umfeld umhöre, bin ich verunsichert und denke manchmal, nur ich allein ticke nicht ganz richtig.
Gerald Druminski, geralddruminski@gmail.de
Verfasst am Mai 1, 10:31 PM
ARD und zdf verkommen zur Pressestelle der NATO

altermann schrieb:
Guter Artikel. Man muss aus dem System, um es kritisieren zu können? Nach meiner Meinung verkommen ARD und zdf zur Pressestelle der NATO. Besonders unerfreulich dieser besserwisserische Nachrichtenkleber. Gestern war wieder ein Highlight zu bewundern: Ein Kommentator namens Michael Strempel, der als Höhepunkt noch mit merkwürdigen Statistiken einen auf Wichtig macht: http://www.altermannblog.de/ard-desinformation-zur-ukraine/ Verfasst am Mai 1, 7:20 AM
Soweit einige Leserstimmen zu Bazon Brock vs. Tina Mendelsohn auf 3sat-Kulturzeit. Früher war auf 3sat auch schon einmal Katrin Bauerfeind unangenehm aufgefallen, als sie in das aus deutschen Medien im Dienste deutscher Banken betriebene Griechenbashing einstimmte. Im Oktober 2012 kommentierte Nora Drenalin unter der Überschrift „Griechen-Bashing mit Lipgloss“:
Gestern abend im Minoritäten-Kultur-Sender 3sat durfte deren “Generation Internet” (Katrin Bauerfeind) über Griechenland herfallen. Fürs gehobene Publikum passend aufbereitet wurde eine optimistisch-sozialfarbige Version der Anti-Griechen-Ressentiments deutscher Medien präsentiert. Hetzen ARD, BILD und SPIEGEL gegen faule, korrupte Griechen, so zeigt 3sat pointiert “mal was ganz anderes”: Es gibt ja auch fleißige Griechen!

Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus

Daniela Lobmueh
3sat 30.4.2014. Bazon Brock ließ 3sat-Rechtsaußen Tina Mendelsohn die Luft raus. Zum Thema Putin-Schröder-Männerfreundschaft wollte die Redakteurin mit heißen Luftblasen die üblichen Propaganda-Klischees ablassen. Doch der anarchische Kunstprofessor Bazon Brock ließ eine nach der anderen platzen.
Dem Schröder, dem gings doch nur um Geld, der Putin habe ihn reich gemacht! Wo, so darauf Brock, gehe es im Westen nicht nur ums Geld? Und er zitierte Beispiele von inner-westlicher Politkorruption.
Aber sei es nicht empörend, wie sich Schröder da mit Putin getroffen habe? Nö, meinte Brock, empörend sei die Heuchelei des Westens, Putin zum Diktator zu erklären, wenn einer wie Berlusconi jahrzehntelang hofiert wurde: Warum soll Putin schlimmer sein als Berlusconi? Das wusste Mendelsohn auch nicht. Doch wie Schröder da mit Putin Champagner trinke, wo die Menschen so leiden in der Ukraine! Quatsch, meinte Brock, im Westen würde doch auf alles Champagnergläser gehoben, was solle die Heuchelei? So watschte der Nestor der kritischen Kunstszene eins ums andre Mal die smarte Redakteuse ab, die sonst so eloquent aus jungen ukrainischen Nachwuchs-Künstlern NATO-Treueschwüre herauskitzelte oder Femens und Pussy Riots Heldentaten gegen Putin feierte. Reingefallen.
„Ein inniger Schulterschluss zwischen Freunden erzürnt die Republik. Altkanzler Gerhard Schröder feiert mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Kann man, darf man, sollte man so etwas tun – während sich doch in der Ost-Ukraine westliche Geiseln in der Hand sogenannter prorussischer Separatisten befinden?“ 3sat-Kulturzeit
In diesem Tenor wollte Tina Mendelsohn auf 3sat die übliche Hetz-nach-Osten-schleim-nach-Westen-Nummer durchziehen, aber nicht mit Bazon Brock, wie sie schmerzvoll lernen musste.

Bazon Brock, der eigentlich Jürgen Johannes Hermann Brock heißt, ist nicht nur emeritierter Professor für Ästhetik, sondern auch einer der profiliertesten deutschen Kunsttheoretiker und Künstler. Also genau der richtige Kandidat für die teilweise gar nicht so üble 3sat-Kulturzeit, nur nicht für Tina Mendelsohn.

Mehrere Jahre arbeitete Mendelsohn als Reporterin für das politische TV-Magazin „Klartext“ des ORB, in dessen Auftrag sie unter anderem den Osten Chinas bereiste. Dann kam der SFB-“Kulturreport“ sowie verschiedene ARD-Magazine, darüber hinaus hat sie seit 1997 für den SWR gedreht. Tina Mendelsohn lebt in London, wo ihr Mann an der Universität lehrt. Neben ihrer Moderatoren-Aufgabe bei Kulturzeit arbeitet die Mutter von vier Kindern, so sie in ihrer Selbstdarstellung, freiberuflich für die BBC und Channel 4.

Bazon Brock schleimte sich nicht an die Medien heran, sondern übte sogar drastische Kritik am Internet. In einem Interview mit der FAZ 2010 bezeichnete er das Internet als die Hölle der Neuen Welt. Die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes, seien gewesen, was jetzt das Netz geworden sei. Skandal, Skandal. Ein Julian Assange hat sowas wenigstens nur von Facebook & Co. gesagt.

Faschismus und Existenz: Les jeux sont faits

„Les jeux sont faits“, d.h. dt. „Das Spiel ist aus“, ist ein Drehbuch des französischen Existenz-Philosophen und Schriftstellers Jean-Paul Sartre. Es wurde 1943 geschrieben, 1947 von Jean Delannoy verfilmt, der surrealistische Film findet sich in den Rubriken Fantasy, Drama oder romantische Tragödie.
Obwohl naheliegend, kommt im Stück vorgeblich nicht direkt der von Sartre entwickelte marxistische Existentialismus zum Tragen. Sartre selbst hat behauptet, dass sein Existenzialismus kein Ende des dort beschriebenen Spieles zuließe, da sich noch nach dem Tod die Handlungen der Menschen fortsetzten würden. Schon der Titel des Drehbuchs, „Les jeux sont faits“, eröffnet eine Interpretationslinie: Die Phrase ist eine beim Roulette gebräuchliche Wendung, die normalerweise noch mit „rien ne va plus“ („nichts geht mehr“) ergänzt wird. Schon dieser Titel deutet daraufhin, dass die Protagonisten des Stückes alles auf eine Chance setzen werden und ihnen danach jeder weitere Spielzug“ verwehrt ist.
Die Handlung
Die Handlung spielt in einem faschistischen Staat und beginnt mit dem Tod der beiden Akteure. Sie spielt in einer unbenannten Stadt im Frankreich der frühen 1940er Jahre, das von einem fiktiven diktatorischen Regenten beherrscht wird. Etwa gleichzeitig sterben die bürgerlich lebende Dame Ève Charlier und Pierre Dumaine, ein Mitglied der Untergrundbewegung und Chef der „Ligue pour la liberté“, die einen bewaffneten Aufstand plant. Ève wird von ihrem Mann, dem Milizsekretär André Charlier, vergiftet, Dumaine dagegen wird von einem Spitzel der Faschisten erschossen.
Nach ihrem Tod folgen die Protagonisten einer inneren Stimme, die sie zu einem Zimmer in der Rue Laguénésie führt. Dort erfahren Ève und Pierre von einer hinter einem Tisch sitzenden gesichtslosen Bürokratin, dass sie tot sind. Den Toten wird hier von einer für Sterbeangelegenheiten zuständigen, betagten Beamtin ihre
Situation erklärt, bevor sie ins Jenseits entlassen werden (die Idee Sartres wird in der US-amerikanische Horror-Komödie Beetlejuice 1988 wieder aufgegriffen).
Ève und Pierre, die sich hier zum ersten Mal begegnen, verlieben sich nach kurzer Zeit ineinander. Ihnen wird gesagt, dass sie sich weiterhin in der realen Welt bewegen können, jedoch von den Lebenden nicht wahrgenommen werden und keinen Einfluss mehr auf die reale Welt nehmen können. Nachdem die Bürokratie des Jenseits sie registriert hat, können sie gehen wohin sie wollen.
Pierre findet heraus, dass sein geplanter Aufstand verraten wurde und die Regierung eine Falle für seine Freunde plant. Ève kommt dahinter, dass sich ihr Mann, André, nun an Èves Schwester Lucette heranmacht. Ève und Pierre sorgen sich um ihre Freunde und Verwandten und da sie keinen Einfluss auf die Welt der Lebenden nehmen können, wird es für sie zur Qual, zusehen zu müssen, aber nichts tun zu können. Alle als Geister wandelnden Toten werden dadurch zu Pessimisten, denen ihr verflossenes Leben absurd und sinnlos erscheint.
Doch die beiden Protagonisten Sartres erhalten eine ungewöhnliche Chance: Bei einem weiteren Besuch in der Rue Laguénésie wird ihnen enthüllt, dass sie laut Aktenlage von Geburt an füreinander bestimmt gewesen wären, aber aufgrund eines bürokratischen Fehlers einander nicht begegnet sind. Sie erhalten die Möglichkeit ins Leben zurückzukehren, um ihre Liebe unter Beweis zu stellen. Von der Situation überwältigt, stimmen beide sofort zu, zurückkehren zu dürfen. Dabei wird nicht ganz klar, ob die beiden aus Liebe zustimmen, oder ob sie es tun, damit Pierre seine Freunde, und Ève ihre Schwester warnen kann. Die Sache hat aber einen Haken: Pierre und Ève dürfen nur in der Welt der Lebenden bleiben, wenn sie es schaffen, innerhalb von 24 Stunden einander uneingeschränkt zu vertrauen und ihre Zuneigung gegenüber den auftretenden Schwierigkeiten zu behaupten. Dies gelingt ihnen jedoch nicht. Zweifel aufgrund der ungleichen sozialen Herkunft und nicht gelöste Konflikte in der Vergangenheit führen am Ende zum erneuten gewaltsamen Tod der beiden.
Existenzialismus
Das Grundprinzip des Existenzialismus kommt dadurch zum Tragen, dass der Mensch selbst für seine Handlungen und somit seinen Erfolg oder sein Scheitern verantwortlich ist. Ève und Pierre haben sich aus freien Stücken dafür entschieden, nicht für ihre Liebe, sondern für ihre verbliebenen Verpflichtungen zu kämpfen und haben damit selbst ihr Schicksal besiegelt. Man würde vermuten, dass das das Jenseits an sich den Determinismus symbolisiert, da dort scheinbar die Würfel gefallen sind und nichts mehr geht, unter der Annahme, dass die Toten in das weltliche Geschehen nicht mehr eingreifen können. Betrachtet man das Jenseits jedoch unter Berücksichtigung von Sartres Philosophie, so stellt man fest, dass das Wirken der Menschen keinesfalls mit deren Tod endet, sondern indirekt immer noch Einfluss auf das Geschehen in der Welt hat, vgl. Heger/Sutrich 2009.

Die Filmversion
Die Verfilmung durch den Regisseur Jean Delannoy erfolgte im selben Jahr wie die Veröffentlichung des Primärtextes, 1947. Wie dem Filmvorspann zu entnehmen ist, handelt es sich um eine Adaptation des Original-Drehbuchs Sartres. Dieser hatte bereits vier Jahre zuvor im Auftrag der französischen Filmgesellschaft Pathé sein Scénario –und sieben weitere– verfasst (Albersmeier S.29ff.). An eine Veröffentlichung etwa noch während der Zeit der deutschen Besetzung war wegen des brisanten zeitgeschichtlichen Aspekts nicht zu denken. Der in schwarz-weiß gedrehte Film hat eine Länge von 86 Minuten. Die Hauptrollen wurden zwar mit Micheline Presle und Marcel Pagliero besetzt, bei seiner Premiere anlässlich der Filmfestspiele in Cannes 1947 fiel der Film Les jeux sont faits bei den Kritikern jedoch durch.

Literatur
Albersmeier, Franz-Josef, „Das Spiel ist (nicht) aus. Zu Sartres Filmdrehbüchern Les jeux sont faits und Résistance, in: Lommel, Michael/Roloff, Volker (eds.), Sartre und die Medien, Medienbücher 24, Transcript, Bielefeld 2008
Heger, Isabel und Katharina Sutrich, Transmediale Transzendenz: Die Darstellung des Jenseits in Jean-Paul Sartres Werk
Les jeux sont faits und der gleichnamigen Verfilmung von Jean Delannoy (Studienarbeit 2006)
Sartre, Jean-Paul, Les jeux sont faits, Gallimard, Paris 1996