Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus

Daniela Lobmueh
3sat 30.4.2014. Bazon Brock ließ 3sat-Rechtsaußen Tina Mendelsohn die Luft raus. Zum Thema Putin-Schröder-Männerfreundschaft wollte die Redakteurin mit heißen Luftblasen die üblichen Propaganda-Klischees ablassen. Doch der anarchische Kunstprofessor Bazon Brock ließ eine nach der anderen platzen.
Dem Schröder, dem gings doch nur um Geld, der Putin habe ihn reich gemacht! Wo, so darauf Brock, gehe es im Westen nicht nur ums Geld? Und er zitierte Beispiele von inner-westlicher Politkorruption.
Aber sei es nicht empörend, wie sich Schröder da mit Putin getroffen habe? Nö, meinte Brock, empörend sei die Heuchelei des Westens, Putin zum Diktator zu erklären, wenn einer wie Berlusconi jahrzehntelang hofiert wurde: Warum soll Putin schlimmer sein als Berlusconi? Das wusste Mendelsohn auch nicht. Doch wie Schröder da mit Putin Champagner trinke, wo die Menschen so leiden in der Ukraine! Quatsch, meinte Brock, im Westen würde doch auf alles Champagnergläser gehoben, was solle die Heuchelei? So watschte der Nestor der kritischen Kunstszene eins ums andre Mal die smarte Redakteuse ab, die sonst so eloquent aus jungen ukrainischen Nachwuchs-Künstlern NATO-Treueschwüre herauskitzelte oder Femens und Pussy Riots Heldentaten gegen Putin feierte. Reingefallen.
„Ein inniger Schulterschluss zwischen Freunden erzürnt die Republik. Altkanzler Gerhard Schröder feiert mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen 70. Geburtstag. Kann man, darf man, sollte man so etwas tun – während sich doch in der Ost-Ukraine westliche Geiseln in der Hand sogenannter prorussischer Separatisten befinden?“ 3sat-Kulturzeit
In diesem Tenor wollte Tina Mendelsohn auf 3sat die übliche Hetz-nach-Osten-schleim-nach-Westen-Nummer durchziehen, aber nicht mit Bazon Brock, wie sie schmerzvoll lernen musste.

Bazon Brock, der eigentlich Jürgen Johannes Hermann Brock heißt, ist nicht nur emeritierter Professor für Ästhetik, sondern auch einer der profiliertesten deutschen Kunsttheoretiker und Künstler. Also genau der richtige Kandidat für die teilweise gar nicht so üble 3sat-Kulturzeit, nur nicht für Tina Mendelsohn.

Mehrere Jahre arbeitete Mendelsohn als Reporterin für das politische TV-Magazin „Klartext“ des ORB, in dessen Auftrag sie unter anderem den Osten Chinas bereiste. Dann kam der SFB-“Kulturreport“ sowie verschiedene ARD-Magazine, darüber hinaus hat sie seit 1997 für den SWR gedreht. Tina Mendelsohn lebt in London, wo ihr Mann an der Universität lehrt. Neben ihrer Moderatoren-Aufgabe bei Kulturzeit arbeitet die Mutter von vier Kindern, so sie in ihrer Selbstdarstellung, freiberuflich für die BBC und Channel 4.

Bazon Brock schleimte sich nicht an die Medien heran, sondern übte sogar drastische Kritik am Internet. In einem Interview mit der FAZ 2010 bezeichnete er das Internet als die Hölle der Neuen Welt. Die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes, seien gewesen, was jetzt das Netz geworden sei. Skandal, Skandal. Ein Julian Assange hat sowas wenigstens nur von Facebook & Co. gesagt.


7 Antworten auf „Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus“


  1. 1 Oskar Kramer 01. Mai 2014 um 12:01 Uhr

    Es waren nicht die Schweizer
    es waren die Wikinger
    und sie waren keine Feiglinge.

  2. 2 Helge Mannteuffel 01. Mai 2014 um 21:24 Uhr

    Bazon Brock ließ Tina Mendelsohn die Luft raus
    Bravo, das war gut so! Bazon Brock war eine Wohltat.
    Tina Mendelsohn und viele Kollegen, geht in die Lehre bei Gabriele Krone-Schmalz! So etwas brauchen wir nicht, verblöden kann man lustvoller!

  3. 3 Gerald Druminski 01. Mai 2014 um 22:31 Uhr

    Eigentlich muss man dem nichts hinzufügen, denn es trifft den Nagel auf den Kopf. Egal, was Mendelsohn studiert oder von der Welt gesehen hat: kapiert hat sie nichts. Ich frage mich, wie sie überhaupt einen Studienplatz ergattern konnte und danach auch noch in einer bislang qualitativ hochkarätigen Kultursendung unterkam. Beim Brock-Interview wurde selbst für einen unaufmerksamen Zuschauer offenkundig, wie hohl die Dame ist, wenn ihr Gegenüber vom vorbereiteten Suggestivfragen-Katalog abweicht. Sie käut das wieder, was ARD, ZDF oder Bild Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher bzw. Zeit, FAZ, Spiegel, taz etc. dem Bildungsbürgertum als Nachrichten verkaufen. In „Kulturzeit“ haben weder Mendelsohn noch Schortmann etwas zu suchen. Für mich haben sich sowohl „Kulturzeit“ als auch die neuerdings zur Show verkommene „Aspekte“-Sendung erledigt. Mal abgesehen von den sprachlichen Entgleisungen, bei denen Accessoires zu Assessoires werden, zugewunken statt -gewinkt wird, jeder der etwas Neues beginnt, „durchstartet“ und sich „neu erfindet“ usw., ist das, was mir dort ideologisch (welch garstig Wort) zugemutet wird, unerträglich geworden. Es ist bezeichnend, das Nachrichten mit erhellendem Hintergrund im ZDF nur noch in der „heute-Show“ und der „Anstalt“ vorkommen. Danke für Ihren Beitrag, denn, wenn ich mich in den Medien und in meinem unmittelbaren Umfeld umhöre, bin ich verunsichert und denke manchmal, nur ich allein ticke nicht ganz richtig.
    Gerald Druminski,
    Karl-Schurz-Straße 60
    04179 Leipzig
    Tel.. 030-45 11 445
    geralddruminski@gmail.de

  4. 4 S. Livey 02. Mai 2014 um 12:02 Uhr

    Wo hat Brock die ganzen Jahre gesteckt, in denen sich niemand traute, den Mund aufzumachen. Ein großer Mann!
    Mir ist es manchmal sogar peinlich, dass mit einem Selbstverständnis von Kolonialherren Deutschland und mit ihm Europa demokratische Werteanforderungen postuliert. Seit Gaucks Freibrief, Deutschland zu mehr „Engagement“ in der Welt aufzufordern, treibt dies Blüten. Deutschlands Politiker sind mal wieder treibende Kraft in Konflikten, die uns eigentlich nichts angehen. Die Realitätsnähe, die Brock von ihnen fordert sind schon in dem Größenwahnprojekt „politisch vereintes Europa“ verloren gegangen.

  5. 5 Anna Stiefvater 02. Mai 2014 um 18:38 Uhr

    Sehr gute Zusammenfassung des Kulturzeit-Interviews mit Bazon Brock. Die suggestive Fragetechnik Frau Mendelsohns forderte ja geradezu heraus, die ganze lächerliche Diskussion über die Gefahr „Russland“ im deutschen Fernsehn als Farce zu entlarven. Ich habe mich richtig über dieses Interview auf Kulturzeit gefreut- auch über die Verstörtheit Frau Mendelsohns, die gar nicht wusste, mit welchen Fragen sie noch nach-laden sollte, um endlich eine Antwort nach ihrem Geschmack zu bekommen.“Nicht mit mir“, hat er sich wohl gedacht, Herr Brock und er hatte Recht: „Ein bisschen kurz“ hat man ihn da nur zu Wort kommen lassen. Auch wenns unangenehm für die Deutschen ist: Wann hören wir mehr von Bazon Brock in den Medien?

  6. 6 Tina Mendelsohn 07. Mai 2014 um 13:55 Uhr

    Lieber Herr Dumminski, Frau Stiefvater und Herr Mannteufel,
    ich freue mich natürlich über so viel Aufmerksamkeit und möchte Ihnen antworten. Herr Brock und ich hatten beide grossen Spass an unserem Gespräch. Wir sind beide interessiert an Meinungsvielfalt und zivilisiertem Umgang. Mir hat niemand die Luft rausgenommen, Herr Brock hat auch keinen Streit mit mir gehabt oder ich mit ihm. Vielleicht haben Sie das geträumt (oder gewünscht). Vielleicht sollten Sie das Gespräch verlinken, denn dann kann sich doch jeder und jede ein eigenes und vielleicht klügeres Urteil bilden, in jedem Fall müsste es doch in Ihrer grossen Blog-Gemeinde auch andere Meinungen geben. Derweil schauen Sie weiter Kulturzeit. Debatte ist immer gut, aber manchmal und manche müssen Sachen eben zweimal sehen, um sie zu verstehen. In der Mediathek finden Sie das Gespräch noch bis Freitag. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
    Beste Grüße Tina Mendelsohn

  7. 7 Administrator 17. Mai 2014 um 17:18 Uhr

    Durch techn.Probleme kam die Antwort von Fr.Mendelsohn leider erst später online, zu spät für die magere 3sat-Archivierung -hat jm. das Interview auf Youtube hochgeladen?
    @Tina Mendelsohn: Es gab keine anderen Meinungen als die hier freigegebenen in der kleinen Blog-Gemeinde (kein Beitrag bekam je soviele Leserbriefe). Es gab wohl einen gewissen Bedarf bei von Ihnen verärgerten 3sat-Zuschauern, sich Luft zu machen. Es freut uns, dass Sie Spaß bei Ihrer Arbeit haben. WIR hätten mehr Spaß, wenn Sie weniger reaktionäre politische Meinungen dabei verbreiten würden.

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